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Stein im Weg

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Eigentlich ist es doch merkwürdig, wie viele Steine wir uns selbst in den Weg legen- angesichts der Erkenntnis, dass wir ein jeder für sich Ausdruck seiner selbst ist. Wir sind in eine Form geprägt- aber keineswegs erstarrt und in toter Endgültigkeit, sondern eigentlich unentwegt sich aktiv ausdrückend. So wie wir in Form - in einem biologischen Rahmen- uns als wir selbst artikulieren, sind wir auch noch fähig, sprachlich zum Ausdruck kommen zu können. Es ist eine paradoxe Situation, denn die sich selbst wahrnehmende Form unserer selbst hat sich verselbständigt und sich in der ununterbrochenen Wahrnehmung einer umgebenden Erscheinungswelt, in Selbstgefühl und nackter Reflexion verloren- sie hat ihre eigene Lebendigkeit nicht mehr im Blick, obwohl sie sich daraus speist.

Noch merkwürdiger wird es, wenn die Form, die wir sind, sich immer weiter in gefühligen Manien verliert - etwa durch Ehrgeiz gespeist - oder sich in intellektuellen und ideologischen Gedankenkaskaden abschottet- gebannt in eine Attitüde ständiger Selbstrechtfertigung und -verteidigung.

Vollends bizarr wird die Selbstvergessenheit in religiösen oder spirituellen Exzessen, in denen eine Selbstvergottung zelebriert wird, die Einsetzung einer omnipotenten, aber egomanischen Entität, der es von Anfang bis Ende an jeder Wirklichkeit mangelt. Das Hängen an dem, was wir als unsere "Persönlichkeit" empfinden, hat suchtartigen Charakter. Im Kern ist das der Stein, der uns vor allem im Weg liegt.
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