No Gurus

Absetzbewegungen gegenüber Gronbach

Sebastian Gronbachs Buch „Missionen“ und seine Website „Mission Mensch“ gehören sicherlich zu den Tiefpunkten der in dieser Hinsicht nicht armen anthroposophischen Literatur. Die damit verbundene Absicht war, die anthroposophische Bewegung als Ganze mittels Injektionen aus dem Füllhorn okkulter Strömungen aus dem Umfeld des New Age zu reformieren bzw. „voran“ zu treiben. Unterstützt wurde Gronbach von der bis dahin angesehenen Zeitschrift Info3 und deren Redakteuren. Nun hatte sich Gronbach schon vor Wochen öffentlich dahin gehend geäußert, man wolle ihn eventuell aus dem nordrhein- westfälischen Arbeitskollegium heraus werfen. Dazu wird es wohl nicht kommen.

In der Mitgliederzeitschrift „Motive- Aus der anthroposophischen Arbeit in NRW“ treibt Anna- Katharina Dehmelt aber immerhin eine vorsichtige Absetzbewegung gegenüber Gronbach voran- etwas, was in den Augen vieler Mitglieder seit langem erwartet wird. Hintergrund ist, dass das Arbeitszentrum als solches in vorangegangenen Konferenzen „deutlich“ in Frage gestellt wurde: „Das zeigte sich zunächst in scharfer Kritik an der Mitarbeit von Sebastian Gronbach im Kollegium. Wir haben klar gestellt, dass Sebastian Gronbach keinerlei besondere Funktionen für das Arbeitszentrum übernommen hat, insbesondere nicht in der Öffentlichkeitsarbeit oder als Sprecher des Kollegiums. Seine Beiträge im Internet, seit einigen Monaten unter MissionMensch.blogspot.com, sind private Äußerungen und stoßen auch im Kollegium nicht durchweg auf Zustimmung.“ Im weiteren folgen einige diplomatisch- lobende Worte für Gronbach (sein „offene(r) Blick ins Zeitgeschehen..“)

So vorsichtig diese Distanzierung auch ausfallen mag: Die hochfahrenden, ja anmassenden Pläne des Egomanen Gronbach, Kernbegriffe der anthroposophischen Bewegung wie Karma und Reinkarnation, aber auch die christliche Orientierung im Alleingang abzuschaffen, dürften damit doch vorläufig hinfällig sein. So „privat“ Gronbachs Beiträge und seine eigenwillige Positionierung nun eingeschätzt werden - die Äußerungen Anna- Katharina Dehmelts an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt sind alles andere als das: „privat“: Die „integrale“ „Mission“ mitsamt ihrer speziellen Hybris muss sich andere Betätigungsfelder suchen.
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Zurückweisung

In der von ihm betriebenen offenen Rudolf- Steiner- Mail- Liste (RSL) behauptet der Betreiber, Philosoph und Info3- Autor Christian Grauer heute folgendes: „Bücher? Lesen? Äh... lass mal überlegen. Ich glaube das Buch, das mich am tiefsten berührt hat, bisher, ist dicht gefolgt von Tolles Jetzt (aber das kannst Du nicht nehmen, sonst hast Du gleich einen Boykottaufruf auf den Egoisten am Hals ;-)) ...“

Nun hatten wir ja hier im Blog im vergangenen Jahr einige Auseinandersetzungen mit der „integral“ ausgerichteten Info3- Redaktion. Diese wurden zeitweise - vielleicht da ich selbst früher für Info3 geschrieben habe- von allen Seiten heftig geführt. Kampfmethoden wie Boykottaufrufe waren aber nicht darunter. So etwas wäre doch deutlich unter der Gürtellinie und im übrigen lächerlich. Unwahr ist die Bemerkung Grauers auch deshalb, weil ich Eckhart Tolle mehrfach besprochen habe. Das von Grauer angesprochene Buch Tolles hat hier durchaus Zuspruch erfahren. Tolle gehört für mich nicht in den Dunstkreis des Neo- Guruismus.
Eine Richtigstellung dieser Art erfolgt deshalb, um eventuell folgenden Diffamierungen dieser Website vorzubeugen.
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Die knatterbunte Instanterleuchtung

Nach Sebastian Gronbachs von uns herzlich-saftig kritiserten Blog „AnthroNRW“ verbreitet sich die auch von ihm schwärmerisch vertretene Instanterleuchtung a la Andrew Cohen. Nach Gronbachs gleichnamigem Bucherfolg beim Verlag Freies Geistesleben hat Dennis Wittrock unter Mitwirkung von Gronbach nun auch ein Blog namens „Missionen“ eröffnet. Hier geht es im gleichen emphatischen und abgerückten Ton weiter wie im ersten Blog- allerdings schwindet die Tendenz Gronbachs, noch mit einigen Zitaten aus Steiners Werk dessen Kompatibilität mit „integralen“ Erleuchtungszuständen zu belegen. Dieses neue Blog will ja auch erklärtermaßen folgendes: „Das Missionen Blog-Projekt wird demnächst als Ideen-Schmelztiegel der evolutionär-spirituellen, integralen Bewegungen in Deutschland dienen.“
Damit rückt Gronbach ein weiteres Stück vom anthroposophischen Kontext ab. Für uns ist das angenehm, denn wir haben sowieso keine Lust mehr, diese exaltierten und berückten Aussagen ernsthaft zu diskutieren- etwa wie Nerone es noch einmal gemacht hat. In diesem Fall gebe ich Andreas Lichte recht, der in einem Kommentar dort fragte: „Was ich nicht verstehe: Wie kannst du Sebastian Gronbach einen Artikel widmen?“
Die, denen danach ist, mögen Gronbachs Ausführungen in diesem Blog wie „Dann macht es "Pliiiing" und GOTT IST GANZ. Er ist frei. Entfesselt. FREI.“ folgen. Unterstützt wird Gronbach vom unvermeidlichen Tom Steininger, dem Redakteur der Cohen- Zeitschrift Enlightenment.
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Jostein Saether zu Gronbachs "Missionen"

Jostein Saether, ein anthroposophischer Buchautor, der sich besonders mit konkreten Fragen zur Reinkarnation beschäftigt, geht in seinem Blog Gamamila in einer umfangreichen Kritik auf Sebastian Gronbachs Buch "Missionen" ein. Saether möchte dabei gewissermaßen didaktisch auf Gronbach einwirken, um ihn "von den integralen Höhenflügen zum Boden zu bringen, sodass er einen Richtungswechsel einschlage." Er referiert dabei weite Teile des Buchs, ist teilweise amüsiert und unterhalten, teilweise auch genervt von Gronbachs "Gerede, diverse(n) Trivialitäten und persönliche(n) Berichte(n)." Zunehmend gerät Saether in einen inneren Konflikt mit dem Autor: "Oft entsprachen seine Sätze meine Lebenserfahrungen, aber immer mehr deckten seine Wirklichkeit sich nicht mehr mit meinen Erkenntnissen." Ein gewisser Unterhaltungswert bleibt dabei unbestritten: "Gronbach beschreibt dann viele Schwellenphänomene und macht humorvolle Ausblicke auf Grenzwächter wie Klofrauen, Kassierer in Pornokinos, Krankenschwester der Intensivstation und er führt Grenzpatrone der Literatur wie Herrmann Hesse und die Matrix-Filme vor." Aber endgültig stolpert Saether wohl über Gronbachs Vorstellungen von seiner eigenen "Erleuchtung", von seiner Christus-Idee und von seiner Verleugnung einer individuellen Reinkarnation. Das ist wohl auch der zentrale Punkt, ab dem Gronbach nicht mehr kompatibel zur anthroposophischen Bewegung ist. Der Reinkarnationsbegriff ist einer der Kernpunkte von Anthroposophie. Um das zu erkennen, genügt eigentlich ein einziger Blick in die "Anthroposophischen Leitsätze" Rudolf Steiners. Dieses auf dem Totenbett Steiners geschriebene Kompendium stellt ein wunderbares "Essentials" von Anthroposophie dar.
So bezeichnet Saether Gronbachs "Pilotprogramm" als "einen sublimen, gescheiten und gewitzten Virus, der so riskant ist, dass er viele Individuen infizieren könnte."
So gesehen ist Gronbachs Buch weniger eine "Mission" zur Reformierung der Anthroposophischen Gegenwartskultur, sondern ein Symptom für ihre Erkrankung.
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Tom entdeckt das apokryphe Evangelium nach Sebastian

Ich wandelte so für mich in uribischem Lande - ich hatte einen veritabler Sonnenstich, und der Sonnenbrand auf dem Rücken war auch nicht von schlechten Eltern. Schließlich trug ich ja nur ein dunkelblaues Eurythmiekittelchen an meinem Leib. Auch die Brotkrumen, die ein gütiger Herr am Weg mir gegönnt hatte, waren schon aufschnabuliert. Da geruhte ich- reichlich vertrocknet- an einer Felshöhle zu rasten. Vielleicht gab es dort Wasser. Leider entdeckte ich vor dem Höhleneingang nur einen Kölner Schokoladenbrunnen, aber der war ja besser als nichts. So drang ich in die Höhle ein, und auf einem Vorsprung fand ich eine Kiste. Und in der Kiste waren uralte, fast unbekannte Schriftzeichen, die ich als früharamäische Schriftzeichen entzifferte. Ich mache neben gerade meinen Doktor an einer amerikanischen Universität, müssen Sie wissen, in altaramäischen Schriften, wie der Zufall so spielt.. Daher habe ich Ihnen das vollständig übersetzen können, und nun ja, hier ist es: Nach den frisch bestandenen Abenteuern des Tom Mellett nun die Handschrift.

Hier noch ein Bild von einem Ort in der Ödnis, wo Tom seine Vision hatte:


Na, der Lichtkrieger ist etwas anorektisch, und der Ahriman sieht aus wie geplatzte Herrentorte, aber Sebastian: Den sah ich genau in meiner Vision.

DAS EVANGELIUM NACH SEBASTIAN!

Kapitel I Verse 1:16

1 Im Anfang war der Kahlkopf, und der Kahlkopf war bei Ken Wilber, und Ken Wilber war der Kahlkopf.
2 Dieser war im Anfang bei Ken Wilber.
3 Alles wird durch denselben gespiegelt, und ohne denselben wird auch nicht eines, das gespiegelt ist.
4 In ihm war Integralvision, und die Integralvision war die Erleuchterei der virtuellen Menschen.
5 Und die Erleuchterei scheint in die Wirklichkeit und die Wirklichkeit hat sie nicht erfaßt.
6 Da war ein Mensch, von Ken Wilber gesandt, sein Name Sebastian.
7 Dieser kam zum Spiegel, daß er spiegelte von der Integralvision, damit alle durch ihn den Namen machten.
8 Er war nicht die Erleuchterei, sondern [er kam,] daß er spiegelte von der Erleuchterei
9 Das war die oberflaechliche Erleuchterei, das, in den Cyberspace kommend, jeden virtuellen Menschen zu blenden.
10 Ken Wilber war im Cyberspace, und der Cyberspace wurde durch ihn, und der Cyberspace kannte ihn nicht.
11 Er kam in das Goetheanum, und die Goetheanumisten nahmen ihn nicht an;
12 so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er den Rasierer, Kinder Ken Wilbers zu werden, denen, sich die seinen Namen zu machen;
13 die nicht aus Steiner, noch aus dem Selbstwillen, noch aus dem Willen der Anthroposophen, sondern aus Ken Wilber geboren sind.
14 Und der Kahlkopf wurde Krystall und spiegelte unter uns, und wir haben seinen Glanz angeschaut, einen Glanz als eines verspiegelten vom Ken Wilber, voller Quatsches und vielleicht Wahrheitswahrscheinlichkeit.
15 Sebastian zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir, denn seiner Kopf war glaenzender als meiner. -
16 Denn aus seiner Integral Institut sind wir uns alle vergeudet, Schmu um Schmu zu machen.


In Ewigkeit. Amen. (Gemeinde wirft sich auf die Knie, Orgel, Cut. Im Hintergrund eine entfernte Flötenmusik, die eine noch verlorene Seele beklagt. Bettina, hast du Taschentücher dabei?)

Und eine Replik von Sebastian gibt es
hier. Dem 1. April ist damit Genüge getan.
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Wenn in Uribistan die Kamele kotzen

Herrmann Finkelsteen geht im ansonsten satirischen Uribistan- Blog über den Lichtkrieger- Begriff ab, der von Andrew Cohen über Sebastian Gronbachs integralen Blog und die begleitenden Videos der Info3-Herbstakademie in die anthroposophische Diskussion eingebracht wurde. Das alles wird für Außenstehende schwer nachvollziehbar sein. Für Finkelsteen dagegen sind die Lichtkrieger- Assoziationen regelrecht unbekömmlich: "Bei solchen geistigen Ausflügen beginnen bei uns in Uribistan die Kamele an zu kotzen.". Warum? Weil diese "anthroposophischen Salonnationalisten" das als einen "einen Lichtkrieg und Michaelskampf" verbrämen, was in der realen Welt lediglich zu höchst konkretem Leid führt: Der Krieg ist für Finkelsteen eine höchst unpassende Metapher für geistige Eiertänze. Dabei führt uns eine einfache Google- Recherche sehr schnell zu den Quellen dieses Lichtkrieger- Mythos: Es sind -neben den Online- Computer- Spielern reihenweise New- Age- Seiten, die als Treffer landen. Andrew Cohens Esoterik lehnt sich neben dem Lamaismus stark an diese Quellen an. Dass derlei Begrifflichkeiten im anthroposophischen Kontext platziert werden sollen, kann man durchaus als neuerlichen New- Age- Zugriff auf die mürbe anthroposophische Gespächskultur verstehen. Das Niveau, das einen dabei erwartet, kann man sich durch Leseproben ja leicht selbst vermitteln. Nehmen wir mal eine heraus, die den Vorteil bietet, dass wir dabei -"von Erzengel Michael gechannelt durch Celia Fenn"- direkten Zugang zur Welt der Erzengel und deren Lichtarbeitern erlangen:



"Liebste Lichtarbeiter, dies ist wahrhaft eine kraftvolle Zeit. Ihr seid in die abschließenden Phasen dieses Zyklus der Umwandlung und des Wechsels eingetreten und Ihr seid dabei, Euch vollkommen zu den "Meistern des Lichts" zu entfalten, die Ihr in Wahrheit seid. Ihr seid dabei, Euch selbst vollständig als die galaktischen und kosmischen Wesen wahrzunehmen, die Ihr seid, menschliche Engel, die das Privileg besitzen, auf den materiellen Ebenen des Lebens auf der Erde Erfahrungen zu machen und zu leben. Und was dies für ein Abenteuer des Lichtes ist! Wie wir im letzten Monat sagten, wenn sich Euer Bewusstsein dahingehend wandelt, dass Ihr Euch diesem neuen Eindruck dessen, wer Ihr seid, hingebt, dann werdet Ihr die Quantenschwelle überqueren und beginnen zu sehen, was real und wahr ist und was bloß eine Illusion ist.

Und nur Liebe ist real und wahr. Alle anderen Konflikte, Negativitäten und Aggressionen sind bloß Schatten und Illusionen, die gestaltet wurden, um Eure Aufmerksamkeit vom Fluss der Liebe abzulenken und sie an Verzweiflung, Angst und Furcht zu binden. Doch der aufgestiegene Planet Erde hat gewählt, nur noch bedingungslose Liebe auszudrücken, und wenn Ihr Eure eigenen inneren Schwingungen auf jene Liebe ausrichtet, dann werdet Ihr beginnen, die grundlegende Schönheit und Güte in dem großen Plan des Lebens auf der Erde zu erkennen. Und Ihr werdet es Euch selbst nicht länger erlauben, durch jene großen Meister der Illusionen manipuliert zu werden, die versuchen, Euch durch das Hervorbringen von Illusionen der Furcht und Angst zu kontrollieren.

Doch so viele Menschen sagen zu uns, "Ich fühle mich nicht wie ein Meister und ich fühle mich verirrt und verwirrt" (...)."

Das können wir gut verstehen. Liebe Lichtarbeiter, Lichtkrieger, auf Sendung befindlichen Erzengel und Salonanthroposophen: Wenn schon Blödsinn, dann doch lieber Monty Python.

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Where´s the beef?

"Cohen und Wilber versuchen mit erheblichem Marketingaufwand eine leere Pralinenschachtel zu verkaufen. Felix Hau versucht uns zu erklären, dass die Leere der Schachtel einen erheblichen Fortschritt gegenüber den überlebten Bräuchen darstellt, Schachteln zu füllen. Sebastian Gronbach wirft die nicht existierenden Pralinen im Triumphzug unters Volk." Where is the beef?


So betrachtet hat Andrew irgendwie etwas von Groucho Marx, oder?
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Herbstakademie-Videos



Teilnehmer der "Herbstakademie" - einem Dialog einer anthroposophischen Richtung mit Vertretern vor allem aus den Kreisen von Andrew Cohens Enlightenment-Movement - haben dankenswerterweise Videos von dem Verlauf ins Netz gestellt: 1/ 2/ 3/ 4/ 5. Man sieht und hört vor allem den Deutschland- Repräsentanten von EnlightenNext, Tom Steiniger einerseits und den vielfach kritisierten anthroposophischen Vertreter Sebastian Gronbach andererseits. Nach meinem Eindruck präsentieren sich Beide smart und professionell, aber inhaltlich mit geringer Tiefe. Steiniger gibt eloquent, aber breit und langatmig die allseits bekannten wenigen Grundlagen Cohens wider, ohne etwas Persönliches hinzuzusetzen. Die neuesten internen Umkehrmanöver, die mit "Seelenstärke", lamaistischen Disziplinarübungen und stundenlangen Liegestützen für die Adepten verbunden sind, deutet er natürlich im Gespräch nur an. "Seelenstärke" scheint für Steiniger ein Begriff zu sein, der für anthroposophische Ohren kompatibel erscheint. Ansonsten wird die zentrale Grundübung Cohens, aus dem monologisierenden "Ego" zu einer dialogischen Transzendenz zu gelangen, in immer neuen Anläufen verbal umrissen und dabei in der Art eines PKW- Verkäufers in leuchtenden Farben in Bezug auf ihre Bedeutung aufgeladen. Es handelt sich allerdings um eine in sämtlichen spirituellen Bewegungen aufzufindende Grundübung. Es ist daher auch kein Wunder, dass die Herren im Dialog zwischen EnlightenNext und Anthroposophie Berührungs- und Überschneidungspunkte finden. Hier gibt es sie zweifellos- und ebenso sicher enden sie hier auch schon. Denn in Bezug auf Steiner ist diese Grundübung meiner Meinung nach schon in seiner frühen "Philosophie der Freiheit" als "moralische Technik" hinreichend beschrieben. Von hier aus hat Steiner seine Anthroposophie 25 Jahre lang ununterbrochen auf- und ausgebaut.

Gronbach stellt diese anthroposophische Kompetenz keinesfalls dar, sondern macht sich anbiedernd über die anthroposophische "Bildwelt" voller Erzengel lustig. Für ihn sind die von Steiner entwickelten geistigen Erkenntnisse nur Symbole ohne weitere Bedeutung. Nebenbei erfährt man auch, woher Gronbach manche seiner "Erkenntnisse" bezieht, die er in seinem Blog preisgibt. Die vielfach kritisierten spirituellen "kämpfenden Spezialeinheiten" beispielsweise sind -wie er im Gespräch angibt- Formulierung, Vorstellungen und Begrifflichkeiten von Andrew Cohen. Es ist schon bezeichnend, dass wir inzwischen im anthroposophischen Kontext irritiert Vorstellungen diskutieren, die so offensichtlich aus einer ganz anderen Richtung kommen. Ansonsten erfährt man viel Banales und einiges, das wieder einmal zumindest in meinen Ohren schrill und schief klingt- so etwa die von Gronbach dargestellten Ziele der Waldorfpädagogik. Meiner Meinung ist es keinesfalls Ziel der Waldorfpädagogik, Fähigkeiten bei Schülern zu entwickeln, die einer Entfaltung der "höheren Erkenntnisorgane" dienen. So verstehe ich Gronbach wenigstens. Falls Gronbach Recht hätte, wären Rudolf-Steiner-Schulen wohl kaum in Deutschland als Ersatzschulen anerkannt.
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Leserbrief von Sebastian Gronbach

Lieber Michael,

du beschreibst - das scheint Deine Stärke zu sein - die Gefahren und Abirrungsmöglichkeiten.
Du beschreibst die luziferische Hybris und die ahrimanische SELBSTverachtung sehr schön und vergisst dabei vielleicht, dass es die Mitte gibt.
Ich versthe das nicht ganz, denn der utopische Impuls, der Drang sich durch die verschiedenen Ebenen des Bewusstseins zu entwickeln (von der heutigen BewusstseinseelenEbene zum Geistselbst z.B.) ist doch etwas Ur-Anthroposphisches.

Watzlawick beschreibt etwas als jemand, wenn ich so sagen darf, der nicht weiss, was die Christus-Sonne ist, der nichts von der Sonne als kosmischer Liebe weiss, der nicht sehen kann, was die erleuchteten Hirten und Königshäupter wahrgenommen haben.
Natürlich "Utopia" heisst "Nirgendwo", aber bitte, lieber Michael, dieses "Nirgendwo" übersetzt Du doch wohl nicht mit "Gibts nicht", oder??? Das wäre billig auf SPIEGEL-Nieveau.
"Nirgendwo" "Kein" Ort", das bedeutet doch in diesem Zusammenhang "das Eine ohne ein Zweites", das Gottes-Bewusstsein, die Stille, das absolute Sein, aus dem wir als Monisten schöpfen, dessen Teilhaber wir (zum Beispiel durch das Denken PdF) werden können.
Mit Watzlawick, so amüsant und berechtigt er auch ist, bis Du einfach nicht auf der Höhe der Zeit, wenn Du das Thema "Utopie" spirituell denken willst.
Ich empfehle Dir die neue Ausgabe von WIE - mit einem Schwerpunkt zum Thema Utopie.
Ganz im Ernst - ich denke Du wirst da finden, die auch auf die von Dir skizierten Fehler eingehen - aber eben auch darüber hinaus.

http://www.wie.org/DE

Herzlich
Sebastian
Sebastian Gronbach
_________________


Lieber Sebastian,

wolltest Du am Ende ein wenig spammen? Keine Sorge, die meisten Leser und auch ich kennen durchaus Website und Zeitschrift von Cohen. Letztere erscheint am hiesigen Bahnhof am selben Tag wie Info3, die stehen dann wie Schwesterchen und Brüderchen einträchtig im Regal nebeneinander in der Esoterikabteilung und wurden beide in diesem Monat überhaupt nicht gekauft. Ich kam bei WIE bis Seite 3, da bist Du gleich mit einem umfangreichen Leserbrief vertreten. So weit zum Thema Spam.

Was
Watzlawick betrifft, so sehe ich ihn gar nicht als veraltet oder überlebt an, im Gegenteil. Er schildert unser aller Überforderung inmitten der von uns geschaffenen Utopien. Es ist ja zutiefst menschlich, sich selbst und Andere mit (vielleicht nicht einmal bewusst gewordenen) Erwartungen zu überfordern. Der grobe Keil mit Luzifer-Ahriman-Gewicht trifft die Vielfalt der Erscheinungen nicht. Es geht ja zunächst nur vielleicht darum, zu viel von einer Beziehung zu erwarten. Oder von uns selbst zu viel zu erwarten. Vielleicht tut gerade dies aber uns und unserer Beziehung auch zeitweise gut.
Es gibt sicherlich unsichtbare Nahtstellen, an denen diese alltäglichen Konstruktionen unserer Wirklichkeit einen Riss bekommen. Dann überlagert eine Utopie immer grössere Teile unseres Seins. Eventuell wird unser gesamtes Denken, Empfinden, Wahrnehmen von einem glühenden Ideal eingenommen. Nimm z.B. die RAF. Wenn die Schnur einmal zerrissen ist, kann es geschehen, dass jemand buchstäblich über Leichen geht. Man ist von dem Ideal von innen her komfortabel ausgestattet, da man der herkömmlichen Moral - auch der essentiellsten- nicht mehr unterliegt. Da liegt eine Art geistigen und sozialen Krebsgeschwürs vor.

Auf ganz andere Weise folgt die Hybris des Gurus dieser Linie. Er ist das Ideal, zu dem er sich selbst konstruiert hat (auch in seiner eigenen Wahrnehmung), und das kann er natürlich nur bleiben, wenn ihn nie jemand erreicht. Das meinte ich mit der
"Soziopathie" des Guruismus. Der Guru muss qua seiner Funktion einen Graben zu seinen Anhängern ziehen. Nur so lange dieser von niemandem überschritten ist, bleibt er autark. Die Adepten unterliegen der anderen Form von Utopie: Sie misstrauen sich selbst, trauen sich nichts zu (dafür muss ER sorgen), idealisieren ihren Guru aber um so mehr. Solche auf solch utopistischen Grundpfeilern aufgebaute Systeme sind ebenso wacklig und bedroht wie die Haltung des Terroristen kaum erschütterlich ist. Die Gurusysteme können schnell zu Paranoia umkippen, zu immer umfänglicheren Feindbildern mit gefährlichen Aktivitäten (z.B. Osho) oder Katastrophen wie bei Jones oder den Sonnentemplern.
Das sind keine Geschwüre, sondern Verkalkungen, Verhärtungen: Denn die Vielfalt möglicher Verhaltensformen ist auf das reduziert, was das Guru-Adept-Geflecht jeweils zulässt. Eine soziale Eindimensionalität.

Irgendwann begegnet die eigene persönliche Utopie vielleicht solchen "totalen" Systemen, und dann sieht man, ob das passt. Man dockt dann da an. Oder auch nicht.

"Utopia" vernebelt in meinen Augen immer die Sicht. "Etwas erreichen wollen" ist selbst im erlebten Monismus (so nenne ich jetzt mal das "reine Denken") alles andere als nützlich; es versperrt lediglich die Aufmerksamkeit auf die gegenwärtige Erfahrung, weil es
irgendwo hinwill. Dorthin will es immer. Dort ist Utopia. Insofern würde ich sagen: Gibts schon, wenn Du es dort hinstellst.
Herzlich
Michael
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Das Utopie- Syndrom oder: Trink eine Tasse Tee


Nach unseren lebhaften Diskussionen im vergangenen Monat zum Thema Neo- Gurutum habe ich tief ins Bücherregal gegriffen (die Bücher stehen meist in zwei Reihen) und den verstorbenen Psychotherapeuten und Konstruktivisten Watzlawick gegengelesen. Seine Überlegungen zum Thema "Utopie- Syndrom" hat er Anfang der 70er geschrieben. Das war die Zeit, als die Beatnik- Kultur exzessiv in Gurutum, selbstzerstörerischen Drogenkonsum, in die Universitäten und in Werbung und Kunst überschwappte. Watzlawick beschreibt die Extreme des Utopie- Syndroms, die sowohl in Hybris als auch in Selbstverachtung münden können. Damit sind die Pole -Guru & Adept- angelegt. Dieser Spur zu folgen überlasse ich dem Leser.
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Stripping the Gurus



In dem Artikel "Grurus and Prisoners" untersucht Geoffrey D. Falk - es handelt sich um ein Kapitel seines Buchs "Stripping the Gurus"- sorgfältig die Methoden der Behandlung von Gefangenen und Geiseln auf der einen Seite, aber auch den Umgang und die Behandlung innerhalb von Sekten, Psychogruppen und Guru-Anhängern auf der anderen Seite. Es ist ein fruchtbarer Vergleich. Am Anfang steht stets die Aberkennung oder Ablegung des Eigennamens und aller möglichen persönlichen Attribute. Dann die Erzeugung einer quasi- sozial- darwinistischen Kette, einer Hierarchie durch Bevorzugung Einzelner und Zurücksetzung Vieler. Aufstände in Gefängnissen werden z.B. sehr effizient durch "the psychological tactic of designating a “privileged cell” for “good prisoners” nieder geschlagen. Dem Guru gelingt dasselbe durch privilegierte Nähe Einzelner zu seiner Person. Allen Sekten gemein ist die Ego- Falle schlechthin: Das Versprechen des Überwindens des "Egos" zugunsten eines nebulösen "Höheren". Falk nennt dies "killing the residents’ “unspiritual” egos. In practice, however, it kills their closely related individual wills (i.e., their self-esteem and independence) as well."
Dieses Brechen der Persönlichkeit ist allzu häufig auch die Intention von Gefängnissen. Nach Außen allerdings verspricht fast jeder Gefängnis Resozialisierung. Und nach Außen verspricht fast jeder Guru "Freiheit".
Dies nur als kleiner Hinweis für den umfangreichen Artikel.
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Der Troubadour, der durch die Hölle ging

Neu aufgesetzt und passend zum momentanen Thema auf meiner Seite möchte ich nochmals auf die Besprechung von Adam Michaelis´Buch "The Anatomy of Evil in our time" hinweisen. Es handelt sich um eine Art exemplarisches Lehrbuch für diejenigen, die sich auf destruktive Kulte einlassen oder dort unversehens hinein rutschen. Im Fall von Michaelis war es ein ungenannter Kult, in dem es auch um tantrische Techniken ging, mit einem lokalen Repräsentanten gravierender zerstörerischer Kräfte. Für Michaelis allerdings bestand gerade in der Gefahr die außerordentliche Möglichkeit, im Bestehen am Rande nahezu völliger psychischer Vernichtung besondere innere Kräfte zu gewinnen.


Wenn so gern in anthroposophischen Kreisen vom "michaelischen Weg" gesprochen wird: Adam geht ihn tatsächlich. Er erfährt das Verschluckt- werden von Wal wie Jona, und er ersteht daraus wieder. Das alles erinnert sehr stark an die vielen Initiationen der Vorzeit, die wir in diesem Blog im Vormonat behandelt haben. Nur ist die Gefahr, in die Adam gerät, weder symbolisch, noch mythisch oder allegorisch. Es ist die tatsächliche Teilhabe an einer destruktiven Sekte.
Man kann das Buch übrigens auch mit Gewinn lesen, wenn man auf Adams eigene Schlussfolgerungen wenig geben mag; man kann das Buch nehmen, als wäre es nur ein Bericht äusseren Handeln und inneren Erlebens in einer gefährlichen Situation der geschilderten Art. Man muss der implizierten Didaktik nicht folgen.
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Mythos der totalen Erleuchtung

Wer Cohen und Wilber einmal live - per Internetstream - schauen möchte, der klicke hier

Außerdem noch ein interessanter Bericht über Cohen, ein biografischer Abriss und auch ein langes Interview. Der Artikel stammt von John Horgan, einem Wissenschaftsjournalisten: "The Myth of the Totally Enlightened Guru". Horgan hat bereits über viele bedeutende "esoterische" Persönlichkeiten berichtet. Er geht an Cohen ziemlich unvoreingenommen heran, kommt aber zum Schluss zu dem Ergebnis, dass Cohen eben nichts für ihn ist. Horgan schildert Cohen als einen Menschen mit einem Kindheitstrauma, der nach dem Tod seines geliebten Vaters (Hirntumor) als Pubertierender zu seiner Mutter ziehen muss, die er sehr wenig schätzt. Kurz danach hat Cohen in Anwesenheit seiner Mutter sein bekanntes "Erweckungserlebnis", als 16jähriger. In der Folge wird die Mutter Schülerin und Anhängerin ihres eigenen Sohnes, bis sie sich endlich entzweit. Sie ist es, die in einem Buch als erste ihren Sohn mit dem Vorwurf angreift, ein machtbesessener "Faschist" zu sein. Man könnte das schon als das neurotische Grundschema bei Cohen sehen: Er hat mittels seiner "Einweihung" seine ungeliebte Mutter zu kontrollieren gelernt. Sie hat ihm das gegeben, was ihm im Verhältnis zu ihr fehlte: Verehrung, zum Beispiel. Allerdings nur eine Zeitlang.

Von Horgan erfährt man auch, dass Cohen bei seinen Retreats zwischenzeitlich in eine Art schamanistischer Verzückung gerät: "His eyes often seemed glazed, or focused on an invisible object a few feet in front of him. Occasionally his eyelids fluttered and his eyes rolled back into his head, so that only the whites showed. The first time this happened, I glanced around to see how others were reacting, but no one seemed surprised." In Horgans Augen ist Cohen in mancher Hinsicht ein besonderer Fall: "a spectacular case of the "I’m enlightened, and you’re not"" einerseits (also diese Gurus mit der narzisstischen Störung), andererseits aber schon ein aktiver spiritueller Forscher. Außerdem tritt Cohen persönlich sehr freundlich und umgänglich auf, man sollte nicht denken, dass er ein Mann wäre mit "psychic powers—or even an interest in paranormal phenomena". Nach einem langen Gespräch (auf der Website protokolliert) verabschieden sich die Beiden: "As soon as this lunch was over I would walk away from him, free to be my flawed, foolish self."
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No Gurus

Auch Michael Mentzel gelingt es -hierin dem Ansatz von Rüdiger Sünner ähnlich-, in "Themen der Zeit", den Netnews aus der anthroposophischen Szene, einen bemerkenswert stillen, unpolemischen und persönlichen Kommentar zu der "Guru- Frage" zu verfassen:



"Was ich nicht brauche, und das mag der tiefere Grund sein, warum ich bei Rudolf Steiner und der Anthroposophie gelandet bin und nicht in der katholischen Kirche, ist ein hierarchisches System, das mir meine "Erleuchtung" in Schritten verabreicht, die nicht von mir selbst bestimmt sind, sondern von einem Guru, einem "über-mir", einem Führer, der "weiß", was gut für mich ist und dessen Suppe ich auslöffeln muss, am besten mit geschlossenen Augen, damit ich den Tellerrand nicht sehe, über den ich eventuell hinaussehen könnte."
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Brauchen wir heute Gurus?

Rüdiger Sünner -Filmemacher, Musiker und Autor aus Berlin - versuchte, die zunehmend polemisch werdende Diskussion um Andrew Cohen und Anthroposophie, "Gurutum" und "Philosophie der Freiheit" in etwas grundsätzlicheres Fahrwasser zu bringen, und zwar öffentlich in Nerones Blog:



"Brauchen wir heute noch so etwas wie “spirituelle Lehrer” und was ist ein solcher überhaupt? Wo hört das “Lehren” auf und beginnt der Eingriff in Willenssphären, der zu Verletzungen führen kann? Wo umgekehrt schlägt “Lernen” in Hörigkeit und Abhängigkeit um? Woraus besteht genau die “Gefahr” eines Gurus, wo doch Cohen niemanden zwingt, sein Schüler zu werden?
Hält unsere Gesellschaft möglicherweise keine Erfahrungsmuster mehr dafür bereit, um gute von schlechten “Lehrer”, “Erleuchtete” von egoistischen Machtstrategen zu unterscheiden? Ich persönlich mag Begriffe wie “spiritueller Lehrer”, “Erleuchtung” oder “Einweihung” nicht besonders, hätte es lieber eine Nummer kleiner. Für mich ist auch Steiner kein “Lehrer”, sondern bestenfalls ein Anreger oder Inspirator. Reicht das nicht?"

Weitere Ausführungen und Diskussionen dort.
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Vor 100 Jahren



1907 unternahm die große Theosophin Annie Besant einen weiteren Schwenk in ihrer Biografie: Nach Aufgabe ihrer politischen Aktivitäten um die Jahrhundertwende und ihrer Hinwendung zur Theosophischen Gesellschaft folgte nun eine Umorientierung in Richtung asiatisch- okkulter Organisationen. Als Nachfolgerin von Olcott und Mitstreiterin von Leadbeater entdeckte sie ihren eigenen Hang zum Gurutum. Sie "erkannte", dass ihr Ziehsohn Jiddu Krishnamurti "eine theosophisch-hinduistische Art von „Messias“" (Wikipedia) sei. Von dieser angeblichen Erkenntnis ausgehend - der sich Krishnamurti zu seinem eigenen Glück in der Folge keineswegs anschloß - war der Weg dann nicht mehr weit zu Annie Besants Überzeugung, selbst "über übersinnliche Fähigkeiten zu verfügen, was ihr zusammen mit dem einsetzenden Krishnamurtikult zunehmend Kritik einbrachte und zu Konflikten innerhalb der Adyar-TG und des CHC führte" (Wikipedia). Die Theosophische Gesellschaft geriet durch diesen Schwenk Besants endgültig in ein fernöstliches Fahrwasser- ähnlich wie es Besants eigener Lehrerin Helena Blavatsky ergangen war. In Bezug auf diese sprach Rudolf Steiner verschiedentlich sogar von "okkulter Gefangenschaft" durch eingebildete oder tatsächliche Lamas einerseits und interessierte politische Kreise andererseits. Wie dem auch sei- Rudolf Steiner kämpfte in seinem Werk an vielen Stellen verbal gegen (eingebildete oder tatsächliche?) manipulative okkulte Organisationen, von denen das Gurutum sicherlich nur eine vieler denkbarer Varianten darstellte.

Aufgrund des reaktionären Schwenks von Annie Besant hin zum Gurutum, zum Lamaismus und zur okkulten Wirrköpfigkeit sah sich Rudolf Steiner vor 100 Jahren gezwungen, die Theosophische Gesellschaft zu verlassen. Organisatorisch und inhaltlich suchte er eine Neuorientierung. Er begründete daher in der Folge die Anthroposophische Gesellschaft (1912). Die deutliche Betonung abendländischer und christlicher Wurzeln war vielleicht auch als Gegenreaktion auf die spezifische Orientierung Besants zu verstehen.

Man muss sich nun nicht wundern, dass die aktuelle Diskussion um die Frage nach dem Verhältnis von autoritärem Gurutum einerseits und der Anthroposophie andererseits, die in einer aktuellen Überlegung von Jens Heisterkamp wieder aufflammt, von Anthroposophen mit durchaus gemischten Gefühlen aufgenommen wird. Denn Heisterkamp konstatiert zwar, "dass sich Steiner seinerzeit gegen eine blinde Anhängerschaft und unkritisches Gurutum wandte", meint aber andererseits, "dass auch heute niemand Anthroposoph sein kann ohne eine innere Lehrerbeziehung zu Rudolf Steiner". Seine persönliche Auffassung zu dieser Frage formuliert er folgendermaßen: "Wer etwas werden will, sucht sich einen Meister – so einfach ist das. Und er sucht ihn aus einem ganz speziellen Grund (dessen Vernachlässigung seit dem Ableben Rudolf Steiners einer der Hauptgründe für die Selbstverstrickung der Anthroposophischen Gesellschaft in den Kampf der Egos wurde): ein Meister oder Lehrer sagt Dir mit einer Deutlichkeit, zu der Du selbst nicht in der Lage wärst, wo Du stehst, wie Dein Stand ist, wo Du noch hin musst."

Das Gurutum soll also - 100 Jahre nach Steiners rigoroser Abwendung - einschließlich seiner fernöstlichen Spezialitäten wieder hoffähig gemacht werden. Offensichtlich ist der "Meister", den Heisterkamp hier auch unter Inanspruchnahme von Rudolf Steiner verteidigt, der bei den Egoisten heftig kritisierte Andrew Cohen. Haben wir in den hundert Jahren nichts gelernt?
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Felix Haus Stellungnahme

Im "Blogland" der Zeitschrift Info3 nimmt Redakteur Felix Hau zu meinem (s. unten) Artikel über Andrew Cohen in einem "offenen Brief" Stellung. Die sektenartige Struktur von Cohens innerem Kreis bezeichnet er relativierend als "ziemlich monastisch". Außerdem täten sich die Opfer Cohens dies selber an. Anzuprangern sei lediglich mein niedriges Niveau einerseits und mein Berufen auf einen Aussteiger aus dem Cohen-System andererseits. Dagegen muss man sagen, dass die Angaben van der Braaks im Web von sehr vielen Seiten bestätigt werden. Wer möchte, kann solche Berichte gerade von ausgesprochenen Insidern zuhauf finden. Dass der Stil meines Artikels provokant war, möchte ich nicht bestreiten. Er sollte durchaus zu Stellungnahmen aufrufen. Währenddessen hat sich die Diskussion in den Blog von Nerone verlagert, aber auch in die offene Rudolf-Steiner-Mailliste. Sebastian Gronbach hat auf meine Bitten seinen Blog, in den in letzter Zeit viel einfloss, was ich als überwiegend von Cohen beeinflusst empfand, in der Hinsicht ergänzt, dass nun ein wenig klarer wird, dass dies nicht im Namen des Arbeitszentrums NRW verfasst wird. Indirekt nimmt er wahrscheinlich auch auf die Kritiken Bezug, wenn er schreibt: "Das Problem meiner Kritiker ist, dass ich es nicht für ihre Träume, sondern für meine tue. Tut mir leid, aber Ihr habt mich in der Waldorfschule gelehrt, treu zu den eigenen Träumen und zum eigenen Herzen zu sein. Jetzt verkörpere ich zwar Eure Haltung, aber meinen Traum." Aha.
Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Währenddessen läuft bei Info3 ein Werbebanner für Andrew Cohen.
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Andre van der Braaks Stellungnahme

Dear Michael,
Thank you for sending me the link. I think it's a very good article! A
true dialogue with Andrew Cohen is not possible, I think, but those who
attempt to do so will find out soon enough. Just mentioning my book will
be enough to terminate any discussion ...

Thanks again for passing this on to me (and yes, I read German just
fine, but writing in English is a bit easier for me).

All the best,
André van der Braak
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Andrew Cohen- ein spiritueller "Soziopath"?

Sehr viel Schlimmeres konnte dem amerikanischen Guru wohl kaum passieren: Andre van der Braak, der elf Jahre Schüler Cohens gewesen war, stieg endgültig aus und schrieb ein Buch über diese Jahre. Damit war auf einmal die ganze Entwicklung Cohens sichtbar- und die Art der Entwicklung ist nicht gerade dazu angetan, Vertrauen zu schaffen.



Cohen, heute 52 Jahre alt, New Yorker, eloquent, hatte nach seinen Angaben mit 16 Jahren ein Erleuchtungserlebnis. Danach, in der Flower-Power-Zeit der 70er, reiste er in Sachen spiritueller Suche durch die Welt. In Indien fand er seinen Guru, den ziemlich unbekannten Harilal Poonja, der ihm nach drei Tagen eine donnernde Einweihung verpasste. Nach drei Wochen schob Poonja seinen Zögling ab, weil das „Werk nun vollendet“ sei, und Cohen war nun spiritueller Lehrer.

Weiter..
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Teleologie

In seinem Blog ist Sebastian Gronbach auch auf meine Zweifel bezüglich der Kongruenz von Zielen Steiners und Cohens eingegangen und hat selbst in Bezug auf seine persönliche Positionierung klare Stellung bezogen. In Bezug auf seine persönliche Teleologie, seine inneren Ziele der persönlichen Entwicklung, hat er ausgeführt: "Zu einem Zustand jenseits des Egos. Frei von persönlichen Befindlichkeiten und frei von Karma. Es ist die Realisierung des Schöpfer-Impulses im Menschen der die Gegenwart umgestaltet, es ist das "nicht ich, sondern ES in mir. Es ist die Verwirklichung eines Dranges, der immer in jeder Situation neu präsent sein will."

Das Ziel einer Präsenz in wechselnden Situationen und Begegnungen kann ich in gewisser Weise teilen und sehe darin auch eine Konsequenz anthroposophischer Arbeit. Allerdings nicht, um einen inneren Drang beliebig auszuleben, sondern um der Dialogfähigkeit willen - um auch unter schwierigen Umständen (ich arbeite mit "problematischen" Kindern) aufmerksam, unvoreingenommen und dialogfähig zu sein. Diese Haltung ist allerdings nicht auf Steiner allein zurück zu führen; ich bin damit gross geworden, und die Väter dieser Haltung waren u.a. Martin Buber, Carl Rogers und viele andere. Es ist keine spezifisch "esoterische" Haltung, sondern eine essentiell humanistische.

Gar nicht teilen dagegen kann ich Sebastians Wunsch, "frei von Karma" zu werden. Da kommt für mich schon der (nach Christian Grauer) "eskapistische", asiatisch beeinflusste teleologische Grundgedanke zum Vorschein, der in Steiners Werk weit und breit nicht zu finden ist. Ich suche ganz im Gegenteil Verbindlichkeit. Wenn ich einen Trost suche, dann ist es der, mit den vielen unfertigen gemeinsamen Schicksalswegen fertig zu werden. Mit dem Angerissenen zwischen Menschen, mit dem Vorläufigen, mit dem, was unvermittelt zerschnitten wird, selbst wenn man es nicht wirklich will. Dazu gehören die vergangenen Lieben, die Kinder, die plötzlich gehen mussten, das gestörte Verhältnis zu meiner Mutter, die plötzlich verstorben ist. Es gehört zu den besonders glücklichen Momenten, wenn es gelingt, sich noch einmal begegnen zu können, sich wahrzunehmen und vielleicht dann endgültig und voller Zuneigung zu verabschieden. Nein, ich möchte diese Schicksale und Begegnungen nicht "überwinden". Ich möchte sie gern zu Ende gehen- und vielleicht manchmal einen neuen Anfang finden. Es ist wie in der Malerei, in der einem ein nie fertig gewordenes Bild auch zur Qual werden kann. Die liegen manchmal jahrelang bei mir herum, eine Art offener Wunde. Irgendwann finde ich meist wieder einen Zugang, und oft bedarf es nur einiger weniger Striche, um den Entwurf endlich zu einem Bild zu machen. Meine Teleologie bestünde also eher darin, nichts aufzugeben, nichts zu vergessen und vielleicht eines Tages endlich den richtigen Zugang zu finden.
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Persönliche Probleme

Ich habe ein Problem mit dem anscheinend allseits geschätzten spirituellen Lehrer Andrew Cohen. Dessen Fähigkeiten kann ich nicht beurteilen- ich habe nur ein Buch von ihm gelesen, das ich nett, aber ziemlich belanglos fand. Probleme habe ich mit seiner "spirituellen Stellung", um es mal so auszudrücken. Denn er ist doch, wie er selbst in seinem Blog äußert, traditionellen Richtungen mit einem ausgeprägten Gurutum verbunden. Ich finde es nicht einmal ein Problem, dass man sich als Anthroposoph mit solchen Richtungen beschäftigt. Vielleicht ist man dort auch aktiv und macht seine Erfahrungen. Problematisch finde ich, dass die Beziehungen zwischen Cohen und der anthroposophischen Zeitschrift Info3 immer enger werden. Für mich ist es eine deutliche Schwächung des inneren Impulses der Anthroposophie, wenn es sich erweisen sollte, dass Anthroposophen heute eine Stütze benötigen ausgerechnet in der Ausprägung ihrer spirituellen Erfahrungen.


Empfehlungen bei Sebastian Gronbach

Problematisch finde ich auch, dass das Verwischen dieser unterschiedlichen spirituellen Bewegungen in Sebastians Gronbachs Blog dadurch festzustellen ist, als nun auch explizit als Literaturempfehlung auf Cohen verwiesen wird. Sebastians Blog macht den Eindruck, die Meinung des Anthroposophischen Arbeitszentrums NRW widerzuspiegeln. Neulingen kann Cohen so als anthroposophische Richtlinie erscheinen. So was geht doch nicht, finde ich. Tut mir wirklich leid, aber ich finde, da läuft etwas schief.

Hier der Amazon-Link zu Andre van der Braaks kritischem Insider-Cohen-Bericht - Dank an Thomas (in den Kommentaren)
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