Zwei & Zwei | EgoBlog | Die Egoisten

Zwei & Zwei


Du bist sicher, ich bin es nicht. Ich habe keine Antworten, ja nicht einmal Fragen. Ich stehe auf dem Feld, mit dem weiten Blick übers Land und versuche Zwei und Zwei zusammen zu zählen. Die sich ballenden Wolken, das sich spreizende Licht, das Meer von Grün, die Halme des Weizens. Ich versuche den Augenblick zu kosten. Ich ziehe mit den Wolkenflocken über das Land, ich schmecke die aufgebrochene Erde. Gestern war das Licht noch lockend, umwühlend, saugend und ziehend. Heute drängt es ins Wässrige, staut und ballt. Als ich jung war, versuchte ich oft zu stehen, als wäre ich Teil des weiten Landes. Wenn man mit ihm verwächst, wird man unsichtbar darin; die Tiere nehmen einen nicht mehr wahr. Die Spur des Vogelflugs schreibt unversehens ein Gedicht. Das weite Land beginnt sich in dir zu denken.

Wenn man unsichtbar wird, beginnen die Dinge zu sprechen. Am späten März-Abend legte sich die Sichel des wachsenden Mondes noch unter die Frühlingsplaneten- die Stimmung von Empfängnis und Erwartung. Nun hat sich die Hoffnung erfüllt, das weite Land ist ganz befruchtet und gedeiht. Die Knospen sind gebrochen und befreit. An den Kastanien stehen die jungen Blätter wie tausend ungelenke kleine Störche im noch scharfen Wind aus Norden. Ein wenig Salz hängt in der Luft, die Nordsee ist nicht weit.

Ich bin nicht sicher, denn die Windstösse treiben mich um. Ich wiege mit den jungen Halmen, ich ziehe mit den Wolken und sie ziehen durch mich durch. Das Feld steht in mir und zählt Zwei und Zwei in mir zusammen.
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