Anweisungen für eine meditative Schulung



Aus einer "esoterischen Stunde" in Berlin:


In den reinen Strahlen des Lichtes Erglänzt die Gottheit der Welt In der reinen Liebe zu allen Wesen Erstrahlt die Göttlichkeit meiner Seele Ich ruhe in der Gottheit der Welt Ich werde mich selbst finden In der Gottheit der Welt.


Erläuterungen R. Steiners:

In den ersten zwei Zeilen kann erlebt werden, wie sich "ein silbernes, glänzendes Mondlicht über die Außenwelt ergießt: wir fühlen uns wie durchströmt und umflossen von diesem Licht". In der dritten und vierten Zeile "versenken wir uns in unser eigenes Innere, und durch die Liebe, die uns mit allen Wesen verbindet, finden wir den Zusammenhang mit der Gottheit und fühlen die Göttlichkeit unserer eigenen Seele". In der fünften Zeile ist es wichtig, "Ruhe" wirklich "auf sich wirken zu lassen". wenn das gelingt, "finden wir in unserem Innern diese Ruhe und diesen Frieden". In den letzten zwei Zeilen ist es möglich, in sich "die Vorstellung wie von einem Leuchtpunkt" zu entwickeln, "der uns entgegenschimmert und dem wir zustreben". (aus Rudolf Steiner "Anweisungen für eine esoterische Schulung" Gesamtausgabe 245, S. 111)


"Meditationsworte, die den Willen ergreifen"
in GA 245
Sieghafter Geist Durchflamme die Ohnmacht Zaghafter Seelen. Verbrenne die Ichsucht, Entzünde das Mitleid, Daß Selbstlosigkeit, Der Lebensstrom der Menschheit, Wallt als Quelle Der geistigen Wiedergeburt.


Worauf es ankommt

"Nicht darauf kommt es an, dass man viele Sätze meditiert, sondern darauf, dass man weniges immer wieder in der ruhig gewordenen Seele leben lässt. In der Meditation selbst soll man wenig spekulieren, sondern gelassen den Inhalt der Meditationssätze auf sich wirken lassen. Aber außer der Meditation in den freien Augenblicken des Tages soll man immer wieder auf den Inhalt der Meditationssätze zurückkommen und sehen, welche Betrachtungen man aus ihnen saugen kann. Dann werden sie lebendige Kraft, die sich in die Seele senkt und diese stark und kräftig macht. Denn wenn die Seele sich mit der ewigen Wahrheit verbindet, lebt die selbst im Ewigen. Und wenn die Seele im Ewigen lebt, dann haben die höheren Wesen den Zugang zu ihr und können ihre eigene Kraft in sie senken" (24. 10. 1905, s.o., S. 89)


Zu gegenständlichen Denkübungen

im Sinne der Schulung der Konzentration und Erreichen einer vorstellungsfreien Denksphäre
z.B. über einen Bleistift, Stuhl oder anderen einfachen Alltagsgegenstand


"Die Steigerung der Konzentration im Denken fängt mit dem "zwecklosen", also selbstlosen Denken eines Themas an, das leicht überschaubar, denkbar ist und keine neuen Erkenntnisse, keine intellektuellen Anstrengungen erfordert. Ein solches Thema ist ein einfacher menschengeschaffener Gegenstand, dessen Wesen in seiner Funktion besteht. Man übe das konzentrierte Denken und Vorstellen dieses Gegenstandes in seinen äußeren Merkmalen, Eigenschaften, in seiner Funktion, wobei möglichst jede Ablenkung vermieden werden muss. Später versucht man die Idee, die in der Erfindung des Gegenstandes liegt und die mit seiner allgemeinen Funktion identisch ist, zu denken. Das "Denken" einer Idee ist kein gewöhnliches Denken. So, wie die Idee im Erfinder auftauchte, war sie wortlos und ohne Vorstellungsbild. Und so soll sie in der Übung "gedacht" werden. Das wortlose Denken i s t lebendes Denken und kann in einer späteren Phase des Übungsweges in der M e d i t a t i o n weitergebildet werden." (aus Georg Kühlewind, das Leben der Seele zwischen Überbewusstsein und Unterbewusstsein. Verlag Freies Geistesleben. S. 36)


Aus einem Notizbuch Rudolf Steiners im September 1924:

Michael-Imagination
Sonnemächtige, ihr die leuchtenden Kräfte, die ihr Welten begnadet; Wallende, wellende Hülle wird euer Licht- Hülle Michaels. des Menschentragenden.
So erscheint er, der Christusbote; Künden mit ernstem Willen Wird er die neue, die helle Zeit Als die Zeit des Geistesmenschen-Waltens.
Ihr, der Geist-Erkenntnis Schüler, Nehmt in eure Herzen seinen Willen- Seht sein Weisen zu Christus, Der da strebet in euerer Seelen Wohnung.


13. Januar 1924. Notizbuch Archiv Nummer 531:

Mitte 19. Jahrh.:Das Innere des Menschen gibt nicht mehr die Schau-Erkenntnisse her. Es ist als Geist-Erzeugnis in sich abgeschlossen. Man ist angewiesen, nicht mehr zu sprechen, sondern zu lesen- das ist das Astrallicht durch die Vormenschheit- die vorigen Erdenleben Eingetragene. Michael bringt Wollen, Kraft, Mut; er ist Sonnengeist; er will angeschaut sein. Er arbeitet mit den Folgen, nicht mit den Ursachen. Die Natur (ausg. Das Tierreich) ist Tafel; sie lässt auf sich schreiben; aber sie schreibt nicht selbst, - bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert war sie noch teilweise unbeschriebene Tafel. Das letzte Unbeschriebene, die sog. Naturgesetze - Orte. Element der Wärme. Chr. Rosenkreutz fand das, aber während noch die Luft bis an die Weltenperipherie die Zeichen trägt, bleiben die Wärmezeichen nicht im Kosmos; sie gehen in die geistige Welt.
Chr. Rosenkreutz fand sie in der Entrückung. Selbstfinden. Bestätigung.
Michael = schweigsam, zurückhaltend; er gibt nicht Antwort, er ist da. Er will, aber das irdische Ersonnene bejaht oder verneint er; doch nur, wenn es gerecht vor der geistigen Welt befunden wird, denn er hat in seinen Perioden (..?) nie die Erdentätigkeit mitgemacht; alles Vererbte ist ihm antipathisch. Die Sprachen sind etwas, wovon er sich abwendet; er will erst den Gedanken. 

aus dem Nachlaß R. Steiners. Überliefert von Georg Glöckler:

Man soll nicht auf das Erkenntnisdrame zugunsten einer Erkenntnisgrammatik verzichten wollen; auch die Furcht darf davor nicht abhalten, daß man in den Abgrund des Individuellen fällt, denn man steigt aus dem Abgrund im Verein mit vielen Geistern auf und erfährt sich in (deren ?) Verwandtschaft.
Aber dadurch ist man aus der geistigen Welt geboren. Man hat den Tod aufgenommen. Man wird selbst zum Vernichter des Gewordenen, lebt dieses spirituell dar und ist anwesend in seiner Vernichtung.